Umgestülpter Zuckerhut: „Das süßeste Fachwerkhaus der Welt“

Nur 17 Quadratmeter groß ist es im Erdgeschoss. Mutige Auskragungen lassen es im 2. OG locker auf die doppelte Größe anwachsen. Die kunstvolle Konstruktion sieht aus wie ein umgestülpter Zuckerhut. Und deshalb heißt das Häuschen auch so. Umgestülpter Zuckerhut.

Das genaue Datum der Erbauung des kuriosen spätgotischen Fachwerkhauses ist nicht bekannt. In der Literatur findet man Hinweise auf das Baujahr 1509.

Bis zur Zerstörung 1945 bildete der Umgestülpte Zuckerhut gemeinsam mit dem prächtig verzierten Pfeilerhaus eines der Wahrzeichen der Stadt Hildesheim und war ein beliebtes Motiv für Maler und Fotografen.

In den 50er Jahren wurde an der Stelle des Pfeilerhauses ein neues Pfeilerhaus als Betonfachwerk errichtet. Gleichzeitig entstand der Pavillon in seiner für jene Zeit typischen Nierenform. Das Ensemble steht heute unter Denkmalschutz.

Dass dieses besondere Wahrzeichen Hildesheims rekonstruiert wurde, verdankt die Stadt der Altstadtgilde und ihrem langjährigen Vorsitzenden Heinz Geyer. Jahrelang setzte er sich zielstrebig für die Idee ein und rief zu Spenden auf.

Ursprünglich sollten Zuckerhut und Pfeilerhaus als Ensemble in alter Schönheit wieder erstehen. Diese Idee fand bei der Denkmalpflege allerdings keine Zustimmung und die Stadt entschied sich im Januar 2007 gegen den Wiederaufbau des Pfeilerhauses.

Damit die Nutzung auf eine wirtschaftliche Basis gestellt werden konnte, musste das Pfeilerhaus aber in die Planungen einbezogen und möglichst erworben werden. Nach Verhandlungen mit der Stadt und der gbg als Eigentümerin konnte die Kaiserhausstiftung Heinz Geyer schließlich das Pfeilerhaus erwerben.

Im Juli 2007 beschloss der Rat der Stadt einstimmig die Rekonstruktion des Umgestülpten Zuckerhuts.

Im Herbst 2007 folgte ein von der Kaiserhausstiftung Heinz Geyer mit Unterstützung der Stadt ausgeschriebener Architektenwettbewerb zur Realisierung des Zuckerhuts.

Den Wettbewerb gewann die Braunschweiger Architektengruppe HMP, Herrenberger, Miehe und Paris, mit der ausdrücklichen Maßgabe, den Plan für das Erdgeschoss und insbesondere den denkmalpflegerischen Umgang mit dem Pavillon zu überarbeiten. HMP hatte nämlich ein transparentes Erdgeschoss mit Wintergarten geplant und wollte den aus den 50er Jahren stammenden, denkmalgeschützten Schmuckpavillon abreißen.

Im April 2008 wurde die Architektengemeinschaft Heinz Geyer/HMP gegründet und von der Kaiserhausstiftung beauftragt, den Entwurf hinsichtlich der Maßgaben des Preisgerichts zu überarbeiten und den Bauantrag einzureichen.

Im Genehmigungsverfahren wurde der Entwurf geändert. Der Pavillon bleibt erhalten, das Erdgeschoss einschließlich Pavillon und Durchgang werden zu einem Café ausgebaut. Im Juni 2009 war der Bauantrag fix und fertig und die Stadt erteilte die Baugenehmigung. Am 27. Oktober erfolgte feierlich der erste Spatenstich für die Gründung des Umgestülpten Zuckerhuts.

Umgestülpter Zuckerhut_Spatenstich

Die Rekonstruktion des süßen Fachwerkhauses war eine echte Herausforderung für die Architekten. Grundrisse und Pläne existierten nicht. Nur mit Hilfe fotogrammetrischer Aufnahmen der Fassade konnten die Abmessungen der Querschnitte ermittelt und die historische Zimmermannskonstruktion nachgebaut werden.

In den Innenräumen wurde auf stabilisierende Fachwerkwände bewusst verzichtet. Die freiliegenden Balken zeigen die hohe Kunst der Zimmerleute: 728 Holznägel halten 60 Kubikmeter Eichenbalken zusammen. Kein Balken gleicht dem anderen. Jeder einzelne ist maßgefertigt.

Nach einem knappen Jahr Bauzeit ist der rekonstruierte Umgestülpte Zuckerhut fertig und wird am 8. Oktober 2010 feierlich eingeweiht.

Heinz Geyer und seine Frau Hanna glücklich und stolz bei der Einweihungsfeier.

Innenansicht_Umgestuelpter_Zuckerhut

In den Innenräumen wurde auf stabilisierende Fachwerkwände bewusst verzichtet. Die freiliegenden Balken zeigen die hohe Kunst der Zimmerleute: 728 Holznägel halten 60 Kubikmeter Eichenbalken zusammen. Kein Balken gleicht dem anderen. Jeder einzelne ist maßgefertigt.

Heinz Geyer erläutert Besuchern im Zuckerhut die Planung und den Wiederaufbau dieses außergewöhnlichen historischen Gebäudes.

Aussenansicht_Umgestuelpter_Zuckerhut

Jetzt mischen sich hier die Düfte von Kaffee, Schokolade und Holz. Ins süßeste Fachwerkhaus der Welt sind ein Café, eine Kaffeerösterei und eine Schokoladenmanufaktur eingezogen. Der seinerzeit umstrittene denkmalgeschützte Schmuckpavillon ist Teil des Cafés und ein Lieblingsplatz von Jung und Alt.

Steckbrief

Baujahr: 1509
Umbau: 1897
Zerstörung: 1945
Entscheidung des Stadtrats für die Rekonstruktion: Januar 2007
Baugenehmigung: Juni 2009
Baubeginn: 27. Oktober 2009
Richtfest: 3. Februar 2010
Einweihung: 8. Oktober 2010